Das Dilemma mit dem Maximalpuls.

Um einen guten Trainingsplan zu entwerfen braucht ein Trainer möglichst viele Informationen über den Sportler. Entwirft man Trainingspläne fürs Internet, oder für Bücher, kennt man den Sportler nicht. Irgendwie muss der geeignete Plan zum geeigneten Sportler finden. Manche Trainingspläne versuchen dies über den Maximalpuls und empfehlen dann auf dieser Basis die verschiedenen pulsgesteuerten Trainingsbereiche.

Was ist eigentlich der Maximalpuls und wie kann ich ihn messen?

Das Herz- und Gefäßsystem muss sich auf die jeweiligen Bedürfnisse des Organismus einstellen. D.h. das Gefäßsystem sorgt dafür dass das Blut so umverteilt wird, dass das beanspruchte Organsystem (Muskeln) optimal versorgt wird. Dies bedeutet z.B. dass bei extremer körperlicher Beanspruchung Magen und Darm kaum durchblutet werden dafür umso mehr die Muskeln.

Der Maximalpuls ist grundsätzlich eine individuelle Größe und auch sehr spezifisch von der Belastungsart abhängig.

Setz dich z. B. an einen Tisch, und lege den Unterarm auf die Tischplatte. Mache 1 x pro sec. eine Faust. Irgendwann wird es die Hand nicht mehr schaffen eine Faust zu machen. Der Puls wird trotzdem kaum angestiegen sein. Was ist passiert? Du hast wenige Muskeln stoffwechselmäßig versorgen müssen, aber es hat sich dann irgendwann so viel Laktat angesammelt, die Muskeln sind übersäuert weil das Laktat nicht mehr abtransportiert werden konnte. Der Muskel stellt zum Eigenschutz die Aktivität ein. Ist das Laktat wieder abtransportiert kann ich wieder weitermachen. Bei der Herzfrequenz hat sich kaum etwas getan, weil einfach zu wenig Muskeln beteiligt sind.

Setz ich mich auf das Rad und trete in die Pedale, habe ich schon mehr Muskeln im Einsatz. Der Oberkörper ist relativ ruhig. Je höher die Watt umso mehr Muskelfasern im Muskeln und umso mehr Zusammenarbeit zwischen den Muskeln (vor allem in den Beinen ) ist gefragt. Da geht meine Frequenz schon höher. Erhebe ich mich vom Rad, weil ich so viel Kraft brauche, dass meine Muskelkraft im Sitzen nicht ausreicht (Wiegeschritt – noch mehr Muskeleinsatz), dann wird meine Herzfrequenz noch höher. Abbruch ist dann wenn mein Laktat nicht mehr abgebaut werden kann.
Laufe ich, kommt noch Oberkörperarbeit (Kreuzkoordination des Oberkörpers) dazu. Laufe ich langsam, geringer Beinhub, geringe Oberkörperarbeit, dann beanspruche ich noch nicht so viele Muskeln. Je höher der Beinhub, je kräftiger der Abstoß mit den Bein, je mehr Armarbeit umso mehr Muskelfasern müssen versorgt werden, umso höher meine Herzfrequenz.

Ist es sinnvoll, meine maximale Herzfrequenz aufgrund eines Wettkampfes zu messen?
Kommt auf den Wettkampf an. Nehme ich an einer Sprintdistanz teil, z.B. 200 Stiegen hoch zu laufen, macht es Sinn weil ich da den maximalen Muskeleinsatz habe. Ich sehe dabei noch meine Stehvermögen (wie lange man noch nach Überschreiten der anoeroben Schwelle in der Lage ist die Leistung zu halten) Laufe ich einen längeren Wettkampf, werde ich eher mit weniger Muskeleinsatz (ökonomischer) Laufen, daher wenig hohe Herzfrequenz und die Muskulatur ermüdet auch, d.h. höherer Muskeleinsatz ist gar nicht möglich. (Armhaltung wird schlaffer, Beinhub kleiner)

Probleme bei maximaler Ausbelastung (auch bei der Bestimmung dem VO2max) ist wirklich an seine Grenzen zu gehen. Das bedeutet seine autonom geschützte Reserve zu verlassen. Die autonom geschützte Reserve sollte eigentlich nur dann verlassen werden, wenn es ums Überleben geht. Es in dem Moment egal ist ob ich den Körper schade. Das ist schon eine große mentale Herausforderung.

Nur brauche ich diesen maximalen Wert wirklich?

Die Trainingsintensität nach max. Herzfrequenz zu bestimmen ist halt die billigste Methode aber auch die ungenaueste, weil es persönliche Schwächen und Stärken überhaupt nicht berücksichtigt. (und bei einem nicht gesunden Menschen auch riskant)

Ziel eines Ausdauersportlers ist möglichst ökonomisch, ohne großen Muskeleinsatz zu laufen.

Besser wäre ein stufenförmiger Belastungstest. z.B. Conconitest. Da sehe ich das Pulsverhalten in den verschiedensten Belastungsstufen. (beim Laufen km/h oder beim Ergometer die Watt). Aber auch da wieder Laufband für Läufer, Ergometer für Radfahrer, da ja die muskuläre Belastung verschieden ist.

Beim Conconitest ist es mir nicht unbedingt notwendig bis zum Maximalpuls zu gehen. (außer ich will unbedingt seine Steherqualitäten messen.) Es ist als Trainer auch wichtig das mentale, psychische Verhalten des Sportlers zu beobachten. Wie schätzt er sich selber bei der Belastung ein. Abgesehen davon kann man mit dem Puls auch die Atmung beobachten, kann der Sportler überhaupt noch sprechen.

Wichtig für einen Trainingsplan sind die absolvierten Wettkämpfe zu berücksichtigen. Wie ist es ihm dabei gegangen? Wie hat er bis jetzt trainiert? Wie viel Zeit hat der Sportler? Welche Ziele hat er überhaupt?

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